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Wissenschaftliche Begleitung

Das Projekt ValiKom Transfer wird seit Projektbeginn vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk (FBH) an der Universität zu Köln wissenschaftlich begleitet. Das FBH nimmt dabei nicht nur die Teilnehmenden in den Blick, sondern auch andere Akteure, die am Validierungsverfahren beteiligt sind. Dazu zählen Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden bei der Teilnahme am Verfahren unterstützen, sowie die Kammermitarbeitenden und Berufsexperten und -expertinnen, die die Teilnehmenden begleiten bzw. die beruflichen Kompetenzen bewerten.

Nachfolgend werden zentrale Ergebnisse vorgestellt:

 

Die Teilnehmenden

  • Die Personen, die das Validierungsverfahren absolvieren, stehen meist mitten im (Berufs)leben (Durchschnittsalter liegt bei 41 Jahren) und verfügen über umfassende Berufserfahrung (Durchschnitt 13 Jahre Berufserfahrung).

     

  • Im Hinblick auf die berufliche Bildung zeigt sich, dass 44 Prozent der Teilnehmenden mindestens einen formalen Abschluss in einem anderen Beruf im In- oder Ausland (Quereinsteigende) oder im Referenzberuf im Ausland erworben haben.
  • Die Teilnehmenden sind sowohl mit dem Validierungsverfahren an sich, der Unterstützung durch die Kammermitarbeitenden und Berufsexperten und -expertinnen, als auch mit der eigenen Leistung, die sie bei der Bewertung ihres Könnens zeigen konnten, sehr zufrieden. Die hohen Zufriedenheitswerte können insbesondere auf die wertschätzende und kompetente Begleitung sowie die hohe Erfolgswahrscheinlichkeit in der Fremdbewertung aufgrund der zuvor stattgefundenen Selektionsprozesse im Verfahren zurückgeführt werden.
  • Die Analyse der Wirkung des Validierungsverfahrens zeigt, dass die erfolgreiche Teilnahme eine selbstwertsteigende Erfahrung darstellt und die Teilnehmenden optimistischer im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft sind. Es entsteht dadurch eine (zweite) Chance für sie, sich beruflich weiterzuentwickeln. Diese Weiterentwicklung kann sich in unterschiedlichen Schritten vollziehen:
  1. Selbst- und Fremdeinschätzung der eigenen beruflichen Kompetenzen im Hinblick auf den Referenzberuf
  2. Aktualisierung, Vertiefung und/oder Erweiterung des vorhandenen Fachwissens durch eine zielgerichtete Vorbereitung auf die Fremdbewertung
  3. Wissenstransfer in die betriebliche Praxis und dadurch Professionalisierung im beruflichen Handeln
  4. (Motivation zur) Weiterqualifizierung
  5. Beruflicher Aufstieg
     

Mehr über die Motive und Hintergründe der Personengruppen, die ein Validierungsverfahren in Anspruch nehmen, erfahren Sie hier.

Schritt für Schritt zum Validierungszertifikat: Trichterförmiger Prozessverlauf

Das Validierungsverfahren startet mit der Information und Beratung interessierter Personen durch die Berater:innen der Kammern. Die Zielsetzung der ratsuchenden Personen können dabei variieren. Das Projekt verfolgt daher von Beginn an einen offenen Beratungsansatz, in dem abhängig von den Zielen der ratsuchenden Personen grundlegend zu verschiedenen Wegen im Berufsbildungssystem beraten wird.

Das abschlussbezogene Validierungsverfahren ist lediglich für einen Teil der Gesamtzielgruppe der passende Weg: In einem trichterförmigen Verlauf finden nach jedem Verfahrensschritt Selektionsprozesse statt. Gründe dafür sind beispielsweise die Feststellung, dass keine ausreichenden Kompetenzen bei den Interessent:innen vorliegen oder dass beispielsweise ein anderes Verfahren für die Personen passender ist (sog. Verweisberatungen zu alternativen Verfahren, z. B. die Teilnahme an der Abschluss- oder Gesellenprüfung als Externe:r, Anerkennungsverfahren nach BQFG, Zulassung zur Fortbildungs- oder Meisterprüfung, Umschulung). Aufgrund der Vorauswahl kommt es dazu, dass die Erfolgsquote der Fremdbewertungen bei 98 Prozent liegt, d. h., dass nur zwei Prozent der Personen, die das Verfahren durchlaufen, das Ergebnis „keine Gleichwertigkeit“ erhalten.

Insgesamt wurden im Erhebungszeitraum von November 2018 bis Ende April 2023 von den beteiligten Kammermitarbeitenden 7.450 Erstkontakte dokumentiert und 5.137 Erstberatungen durchgeführt. Davon haben 2.012 Personen in diesem Zeitraum ein Validierungsverfahren durchlaufen.

 

 

Die Unternehmen

  • Ca. 1/3 der Teilnehmenden werden beim Absolvieren eines Validierungsverfahrens von ihrem Unternehmen unterstützt.
  • Die Unternehmen nennen verschiedene Gründe, warum sie ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen. Zu den häufig genannten zählen:
    • Die Leistung der zumeist langjährig beschäftigten Mitarbeitenden anerkennen und ihnen gegenüber Wertschätzung ausdrücken
    • Validierung als Instrument für eine gezielte und verantwortungsbewusste Personalentwicklung (z.B. Kompetenzfeststellung im Abgleich mit beruflichem Standard, Stärkung des Selbstbewusstseins und Ausgangspunkt für weitere Entwicklungsschritte)
    • Bestätigung der fachlichen Kompetenzen der Mitarbeitenden nach Außen
  • Für die Unternehmen können sich aus einer erfolgreichen Teilnahme weitere positive Effekte ergeben, wie z.B.
    • Gesteigerte Motivation der Mitarbeitenden
    • Erhöhtes Selbstbewusstsein der Mitarbeitenden, das zu einem verbesserten Standing nach innen und außen führt
    • Gezielte Weiterentwicklung der Mitarbeitenden
    • Höhere Arbeitszufriedenheit und eine bessere Team-Atmosphäre und dadurch auch eine höhere Mitarbeiterbindung
    • Erhöhung der Fachkräftequote im eigenen Unternehmen

Die wechselseitige Verbindung der Teilnehmenden- und Unternehmensperspektive kann als Win-Win-Wirkungspotential der Validierung veranschaulicht werden.

 

Eine detaillierte Herleitung der Wirkungsperspektive liefert der Artikel „Validierung als (zweite) Chance zur beruflichen Entwicklung“. Die wesentlichen Erkenntnisse daraus wurden vom FBH in einer Management Summary zusammengefasst. Hier wird insbesondere der qualitative und quantitative Beitrag des Validierungsverfahrens zur Fachkräftesicherung in Deutschland verdeutlicht.

Details der Befragung von Betrieben, die bei der Validierung der Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden beteiligt waren, enthält der Bericht „Betriebliche Nutzenperspektiven auf die Validierung“. Die Vorteile, die sich für Unternehmen durch das Validierungsverfahren ergeben, sind in einem Unternehmensbericht zusammengefasst.

Weitere Einblicke in die Arbeit der wissenschaftlichen Begleitung im Projektzeitraum November 2018 bis Mitte Mai 2021 liefern die Ergebniszusammenfassung und ein detaillierter Ergebnisbericht.

 

Die Kammermitarbeitenden

  • Die Kammermitarbeitenden informieren, beraten und begleiten die Teilnehmenden. Dadurch nehmen sie eine Schlüsselrolle während des Validierungsverfahrens ein und tragen maßgeblich zu deren Erfolg bei.
  • Das FBH hat insbesondere die Beratungsleistung der Kammermitarbeitenden untersucht und festgestellt, dass neben der Informationsvermittlung der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen Teilnehmenden und den Kammermitarbeitenden ein zentraler Gelingens-Faktor ist. Besonders wichtig ist dies für einen Teil der Zielgruppe von Validierungsverfahren, die z. B. unter (Prüfungs-)Ängsten und Unsicherheiten leiden.
  • Neben der Beratung und Begleitung der Teilnehmenden übernehmen die Kammermitarbeitenden noch viele weitere Aufgaben. Das vom FBH mit Unterstützung einzelner Projektmitarbeiterinnen entwickelte Kompetenzprofil zeigt auf, welche Kompetenzen die Kammermitarbeitenden für ein professionelles Handeln benötigen.

Weitere Einblicke zum Erfolgsfaktor Beratung gibt es hier.
Das entwickelte Kompetenzprofil kann hierüber eingesehen werden.

 

Die Berufsexperten und -expertinnen

  • Die Berufsexperten und -expertinnen, die die beruflichen Kompetenzen der Teilnehmenden bewerten, sind häufig auch als Ausbilder*innen (66%) und/oder Prüfer*innen (83%) tätig. 
  • Sie werden auf ihre neuen Aufgaben und Rolle im Validierungsverfahren durch eine eintägige Schulung laut eigenen Aussagen gut (90%) vorbereitet.
  • Bei der Befragung durch das FBH gaben die Experten und Expertinnen zudem an, dass die Teilnehmenden bei der Fremdbewertung die Möglichkeit haben, zu zeigen, was sie können (99,4%) und dass die Fremdbewertung zeigt, ob sie einen Tätigkeitsbereich beherrschen (98,8 %).

Im detaillierten Ergebnisbericht (S.46) gibt es weitere Ergebnisse aus der Befragung der Berufsexperten und -expertinnen. 

 

Kooperation mit Arbeitsagenturen und Jobcentern im Rahmen des Projekts ValiKom Transfer

Auch die Erprobung einer engeren Zusammenarbeit zwischen Arbeitsagenturen und Jobcentern und ValiKom Transfer-Kammern wurde vom FBH wissenschaftlich begleitet. An ausgewählten Standorten wurde erprobt und evaluiert, ob für Kunden und Kundinnen von Agenturen für Arbeit (AfA) und Jobcentren (JC) eine Teilnahme an Validierungsverfahren der Kammern ein zielführendes Regelinstrument der Arbeitsvermittlung/-förderung ist bzw. sein kann und welche Voraussetzungen hierfür auf der organisatorischen Ebene notwendig sind bzw. geschaffen werden müssen, um eine fruchtbare Kooperation zwischen Arbeitsagenturen und Kammern zu entwickeln.

Hier ist der Ergebnisbericht zum Pilotprojekt zu finden.

 

Kooperation zwischen ValiKom Transfer und TalentPASS

TalentPASS war ein bundesweites Projekt für Menschen mit Behinderungen zur nachhaltigen Sicherung der Teilhabe am Arbeitsleben. Ein Baustein des Projekts war die Kompetenzfeststellung. In diesem Zusammenhang kooperierten die beiden Projekte ValiKom Transfer und TalentPASS miteinander, um Menschen mit einer Behinderung eine Teilnahme am Validierungsverfahren zu ermöglichen. Das FBH hat sowohl mit Teilnehmenden und beteiligten Unternehmen als auch den begleitenden Akteuren der beiden Verfahren Interviews geführt, um Erkenntnisse über die projektübergreifende Zusammenarbeit sowie die Ausgangssituationen und Entwicklungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen zu eruieren.

Die gesammelten Erkenntnisse können hier eingesehen werden.

Analyse beruflicher Weiterqualifizierungsmöglichkeiten aus der Perspektive der Teilnehmenden des Validierungsverfahrens

Ausgehend von den bereits erfolgten Qualifizierungswegen, die Teilnehmenden nach dem Validierungsverfahren eingeschlagen haben, hat das FBH diese verschiedenen Weiterbildungsoptionen analysiert und aufgezeigt, wie sich Personen entweder Schritt-für-Schritt weiterentwickeln oder auf direktem Wege eine Höherqualifizierung anstreben können. Die nachfolgende Grafik zeigt die verschiedenen Bildungsoptionen auf:

 

Bei Rückfragen zur wissenschaftlichen Begleitung des Projekts ValiKom Transfer wenden Sie sich gerne direkt an das:

 

Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln

Laura Müller-Werth, M. Sc. | E-Mail: laura.mueller-werth[ ät ]uni-koeln.de

Dr. Sarah Wirtherle | E-Mail: sarah.wirtherle[ ät ]uni-koeln.de